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Schlauchlining & Relining:
Rohrsanierung ohne Graben erklärt

Wie das grabenlose Inliner-Verfahren funktioniert, wann es sinnvoll ist, was es kostet – und wie es sich zur offenen Sanierung verhält.

Die Leitung ist schadhaft, der Fachbetrieb hat eine TV-Inspektion gemacht – und jetzt kommen die ersten Angebote. Manche sprechen von „Schlauchlining", andere von „Relining", „Inliner" oder „CIPP". Was steckt dahinter, was kostet es und wann ist es wirklich die bessere Wahl gegenüber dem klassischen Rohraustausch? Dieser Ratgeber erklärt das Schlauchlining-Verfahren verständlich und ohne Fachjargon.

💡 Kurzdefinition

Schlauchlining (CIPP = Cured In Place Pipe) ist ein Sanierungsverfahren, bei dem ein neues Rohr von innen in eine schadhafte Leitung eingebracht wird – ohne Erdarbeiten, ohne Aufbruch von Böden, Fliesen oder Bepflanzung.

1. Wie funktioniert Schlauchlining?

Das Verfahren nutzt einen Gewebeschlauch, der mit einem Epoxydharz oder Polyester-Kunstharz getränkt ist. Dieser Schlauch wird in die zu sanierende Leitung eingebracht und dort durch Druckluft, Wasserdruck oder UV-Licht ausgehärtet. Nach dem Aushärten entsteht ein neues, fugenlos-glatteres Rohr innerhalb des alten – strukturell eigenständig und vollkommen dicht.

  • 1
    Vorbereitung: Reinigung und TV-Inspektion

    Bevor der Liner eingebracht wird, muss die Leitung gründlich von Ablagerungen, Wurzeln und losen Scherben befreit werden. Eine TV-Inspektion dokumentiert den Ausgangszustand und klärt, ob das Verfahren geeignet ist.

  • 2
    Einbringen des Liners

    Der mit Harz getränkte Schlauch wird über einen Reinigungsschacht oder eine kleine Öffnung in die Leitung eingeführt. Bei der Inversions-Methode wird er durch Wasserdruck von innen nach außen gestülpt und dabei in Form gedrückt.

  • 3
    Aushärtung

    Je nach Harzsystem erfolgt die Aushärtung durch Heißwasser (Nassaushärtung), Dampf oder UV-Licht (UV-Liner). UV-Liner härten innerhalb weniger Minuten aus und sind besonders präzise kontrollierbar.

  • 4
    Qualitätskontrolle per Kamera

    Nach der Aushärtung fährt die Kamera noch einmal durch: Einbauqualität, Wanddicke und Dichtheit werden geprüft. Das Ergebnis wird im Prüfprotokoll dokumentiert.

2. Verfahrensvergleich: Schlauchlining, Kurzliner, offene Sanierung

Verfahren Einsatzbereich Kosten (Richtwert) Erdarbeiten?
Schlauchlining (CIPP) Vollsanierung langer Strecken, ab DN 100 150–350 €/m Nein
Kurzliner / Hutprofil Punktuelle Schadenstellen, Muffen 400–900 € je Stelle Nein
Roboterfräsen + Inliner Eingewachsene Wurzeln + Versatz, dann Abdichten Variabel Nein
Offene Sanierung Starke Deformation, Einsturz, Nennweitenänderung Ab 400 €/m + Erdarbeit Ja

3. Vorteile von Schlauchlining gegenüber Rohraustausch

  • Kein Aufbruch: Keine Fliesen, kein Estrich, keine Gartenbepflanzung, keine Einfahrten müssen beschädigt werden
  • Schnell: Ein Hausanschluss ist in einem Tag saniert – beim Rohraustausch dauern Erdarbeiten oft mehrere Tage
  • Fugenlos: Das neue Innenrohr hat keine Muffen – Wurzeln finden keinen Eintrittspunkt mehr
  • Glattere Oberfläche: Kunstharz ist glatter als altes Steinzeug oder Gusseisen – geringerer Strömungswiderstand, weniger Ablagerungen
  • Lange Lebensdauer: 50+ Jahre bei fachgerechtem Einbau nach DIN EN ISO 11296
  • Geringere Folgekosten: Kein Wiederherrichten von Oberflächen, keine Nacharbeiten an Boden oder Garten
⚠️ Wann Schlauchlining nicht geht

Bei vollständig eingebrochenen oder stark deformierten Rohrabschnitten kann kein Liner mehr eingebracht werden. Auch bei sehr kleinen Nennweiten (unter DN 80) ist das Verfahren technisch schwierig. Die TV-Inspektion im Vorfeld klärt das – und spart Ihnen unnötige Investitionen.

4. Was kostet Schlauchlining in Darmstadt?

Die Kosten hängen von Nennweite, Länge und Zugänglichkeit der Leitung ab. Als Orientierung für typische Hausanschlüsse:

  • DN 100–150 (Standard-Hausanschluss): 180–280 € pro Meter
  • DN 200 und größer (Hauptsammler): 250–400 € pro Meter
  • Kurzliner (punktuelle Reparatur): 400–900 € je Schadenstelle
  • Gesamtprojekt EFH, 15–25 m: Typisch 3.000–7.000 €

Zum Vergleich: Eine offene Sanierung mit Erdarbeiten, Aufbruch, Neuverlegung und Wiederherstellung der Oberfläche kostet für dieselbe Strecke häufig das Doppelte bis Dreifache.

💡 Steuerliche Absetzbarkeit

Rohrsanierungskosten als Handwerkerleistung im eigenen Haushalt sind nach §35a EStG steuerlich absetzbar (20 % der Lohnkosten, max. 1.200 € pro Jahr). Lassen Sie sich eine ordentliche Rechnung mit Arbeits- und Materialanteil getrennt ausstellen.

5. Worauf Sie bei der Anbieterauswahl achten sollten

Nicht jedes Schlauchlining ist gleich. Diese Punkte helfen Ihnen, seriöse Betriebe zu erkennen:

  • TV-Inspektion vor und nach der Sanierung: Nur so ist die Qualität nachweisbar – bestehen Sie darauf
  • Normgerechte Ausführung: DIN EN ISO 11296 regelt die Mindestanforderungen an Material und Verarbeitung – fragen Sie danach
  • Garantie auf den Liner: Seriöse Anbieter geben mindestens 10 Jahre Werkgarantie auf das eingebrachte System
  • Prüfprotokoll: Schriftliche Dokumentation des Ausgangszustands und des Ergebnisses gehören zum Leistungsumfang
  • Kein Upselling ohne Basis: Sanierungsempfehlungen ohne vorherige TV-Inspektion sind kein gutes Zeichen

6. Schlauchlining im Darmstädter Altbau

In Darmstadts Gründerzeitvierteln – Martinsviertel, Bessungen, Eberstadt – sind Steinzeug- und Gussleitungen aus der Nachkriegszeit verbreitet. Diese Leitungen erreichen ihr Nutzungsende, weisen aber oft noch eine ausreichend runde Querschnittsform auf, um problemlos mit einem Inliner saniert zu werden. Das macht Schlauchlining zur bevorzugten Methode in diesen Lagen, wo Erdarbeiten unter Bestandsbelägen, Bäumen und beengten Zufahrten besonders aufwendig und teuer sind.

Mehr zu typischen Altbauproblemen in Darmstadt: Altbau-Rohre: Typische Probleme und Lösungen

7. Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Schlauchlining und Relining?

Die Begriffe werden oft synonym verwendet. Streng genommen bezeichnet Relining das Einziehen eines neuen Rohres in das alte (Rohr-in-Rohr-Verfahren), während Schlauchlining (CIPP) die harzgetränkte Schlauchvariante meint, die im Rohr aushärtet. In der Praxis meinen beide Begriffe in Deutschland fast immer das CIPP-Verfahren.

Verringert Schlauchlining den Rohrdurchmesser?

Ja, geringfügig. Ein 6–8 mm dicker Liner reduziert den Innendurchmesser um diesen Betrag. Bei einem DN 150-Rohr (150 mm Innendurchmesser) verbleiben etwa 134–138 mm. Die glattere Oberfläche des Liners kompensiert diesen Verlust hydraulisch jedoch nahezu vollständig – die Abflussleistung bleibt gleich oder verbessert sich sogar.

Wie lange dauert der Einbau?

Ein typischer Hausanschluss (15–25 m) wird in einem Arbeitstag saniert – inklusive Vorbereitungs-Spülung, Liner-Einbau, Aushärtung und abschließender TV-Kontrolle. UV-Liner härten besonders schnell aus (20–30 Minuten Aushärtezeit).

Kann ich die Leitung während des Einbaus normal nutzen?

Während der Einbauphase (in der Regel 4–8 Stunden) muss die betroffene Leitung außer Betrieb sein. Nach vollständiger Aushärtung und Kamerakontrolle kann die Leitung sofort wieder normal genutzt werden.

Wird Schlauchlining bei der Dichtheitsprüfung anerkannt?

Ja. Nach normgerechtem Schlauchlining-Einbau gilt die Leitung als saniert und dicht. Eine anschließende Druckprüfung nach DIN EN 1610 bestätigt das formal – und liefert das Prüfprotokoll, das die Gemeinde für die Dichtheitsprüfungspflicht erwartet. Mehr zur Dichtheitsprüfung

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